Das Märchen von der Vollbeschäftigung

6. June, 2011

Mal wieder ein Post auf Deutsch. Sorry for my English reads 🙂

Alle Welt redet von Vollbeschäftigung, sicherer Rente und stabilen sozialen Netzen. Oder besser: Die Politiker (links bis rechts) erzählen Märchen, während dem Rest der Bevölkerung langsam dämmert: Da stimmt irgendwas nicht.

Firmen wollen jedes Jahr um 7% “wachsen.” Was heisst dieses “wachsen”? Naja, da gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. 7% weniger Kosten. Also z.B. den Angestellten den Lohn um 10% kürzen (die Firma hat ja noch andere Kosten als nur Löhne). Geht aber nicht, da rebellieren die Angestellten. Also wirft man eben 10% raus. Das hat den gleichen Effekt und sorgt gleich noch für (angespannte) Ruhe bei denen, die hoffen “mich trifft es nicht.”
  2. Man macht die Produktion 7% effizienter. Das geht durch neue Maschinen (für die man weniger Leute braucht) oder indem man die Produktion gleich ins billigere Ausland auslagert. Da ist zwar die Qualität schlechter, aber dafür ist es 30% billiger und so kann man das wieder hinbiegen.
  3. Eine Mischung aus beidem.

Am Ende ist es halt so, dass die (verbleibenden) Angestellten weniger in der Tasche haben. Natürlich kränkelt dann die Konjunktur: Wenn wenn man weniger Geld hat, kann man auch nicht so viel konsumieren. Aber das ist nicht das Problem der Unternehmen, da soll sich schön der Staat drum kümmern.

Man sieht: Das klappt irgendwie nicht.

Gebhard Borck hat sich hingesetzt und alle Gründe und Faktoren gesammelt, wo es in der modernen Arbeitswelt kneift und hakt. Stück für Stück werden sie jetzt in seinem Blog veröffentlicht: “Affenmärchen – Arbeit frei von Lack & Leder.” Hier geht’s los.

Ein paar Zitate (hier):

Die industrielle Epoche hat die Maschine vor den Menschen gestellt, Effizienz vor Effektivität, Stückzahl vor den Sinn des Produktes und Fehlerfreiheit vor Qualität – ja, Sie lesen richtig, mehr dazu erfahren Sie später, versprochen.

“Stückzahl vor Sinn.” Sehr schön. Milchsee, Butterberg. Wo hatten wir das noch? Ach ja, in der DDR. Oder hier:

Ein Marketingleiter eines Industriebetriebes, nehmen wir einmal einen Schokoladenhersteller, verdient zwischen fünfzigtausend und mehreren hunderttausend britischen Pfund. Er reizt Menschen dazu an, unvernünftig viel Schokolade zu kaufen und zu konsumieren. Er erzeugt Stress, wenn man die gewünschte Schokolade nicht bekommt, spielt die negativen gesundheitlichen Auswirkungen herunter und überhöht die empfundenen Glücksgefühle. […] die gesundheitlichen Auswirkungen finden sich in den bereits erwähnten externen Effekten, für die seine Firma nicht verantwortlich gemacht wird. Die Studie „a bit rich“ hat diese externen volkswirtschaftlichen Effekte […] untersucht. Das Ergebnis: Für ihr Einkommen von fünfzigtausend bis zu mehreren hunderttausend Pfund zerstören sie elf Pfund für jedes Pfund, das sie als Wert generieren.

(meine Betonung) Profit ist wichtiger als der Schaden, den ein Unternehmen an der Gesellschaft anrichtet.